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Zitierlink DOI
10.26092/elib/5423

Kontrollierter Konsum von amphetaminartigen Stimulanzien: Ergebnisse einer empirischen Untersuchung in fünf europäischen Ländern

Veröffentlichungsdatum
2025-12-15
Autoren
Rosenkranz, Moritz
Betreuer
Schmidt-Semisch, Henning  
Gutachter
Schmidt-Semisch, Henning  
Schüz, Benjamin  
Zusammenfassung
Die vorliegende kumulative Dissertation basiert auf vier in Erst- oder Alleinautorenschaft publizierten Beiträgen, die im Rahmen des europäischen Forschungsprojektes „Understanding pathways to stimulant use: a mixed-methods examination of the individual, social and cultural factors shaping illicit stimulant use across Europe“ (ATTUNE) entstanden sind. Das übergeordnete Ziel von ATTUNE bestand darin, unterschiedliche Konsumverläufe von amphetaminartigen Stimulanzien (amphetamine-type stimulants, ATS) unter Konsumierenden in fünf europäischen Ländern zu identifizieren und zu analysieren, welche individuellen, sozialen und umweltbezogenen Faktoren mit bestimmten ATS-Konsumverläufen in Zusammenhang stehen. Dadurch sollten sowohl Risiko- als auch Schutzfaktoren ermittelt werden, auf deren Grundlage sich verstehen lässt, warum ein Teil der Konsumierenden einen problematischen oder abhängigen Stimulanzienkonsum ausbildet, während andere ihren Konsum kontrollieren, reduzieren oder beenden können. Die Datengrundlage der statistischen Analysen besteht aus n=1458 quantitativen Interviews (CAPI-Methode) mit Befragten aus Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, der Tschechischen Republik und Polen.
Den theoretischen Hintergrund des vorliegenden Rahmenpapieres bilden die salutogenetische Theorie von Aaron Antonovsky sowie das bio-psychosoziale Modell von George L. Engel. Bei der Anwendung des salutogenetischen Konzeptes (Gesundheit und Krankheit als Pole eines Kontinuums sowie Fokussierung auf gesundheitsfördernde anstatt auf krank machende Faktoren) auf das Thema Stimulanzienkonsum wäre „gesund“ als kontrollierter Konsum und „krank“ als unkontrollierter bzw. abhängiger Konsum zu verstehen. Die salutogenetische Sichtweise impliziert die Suche nach Schutzfaktoren in Bezug auf unkontrollierten Konsum. Diese wurden unter Rückgriff auf das bio-psychosoziale Modell in der ATTUNE-Studie auf der individuellen, sozialen und umweltbezogenen Ebene verortet.
Im Mittelpunkt der Analysen standen neben den deskriptiven Statistiken zur Ermittlung und Beschreibung typischer ATS-Konsumverläufe die Bestimmung von Schutz- bzw. Risikofaktoren, die mit eher unproblematischen kontrollierten bzw. eher problematischen unkontrollierten Konsumkarrieren in Zusammenhang stehen können. Deskriptiv zeigten sich vier exemplarische Typen von ATS-Konsumkarrieren: 1) selten oder moderater Konsum, aktuell andauernd; 2) selten oder moderater Konsum, aktuell (vor mindestens einem Jahr) beendet; 3) frequenter und/oder abhängiger Konsum, aktuell andauernd; und 4) frequenter und/oder abhängiger Konsum, aktuell beendet.
Die Ergebnisse der multivariaten Modelle legen nahe, dass die Wahrscheinlichkeit für einen eher kontrollierten Konsumverlauf (seltener/moderater Konsum) ansteigt, wenn folgende Schutzfaktoren vorliegen: geringe biografische Belastungen, keine sozioökonomische Deprivation, Vermeidung des Konsums von Methamphetamin, Kokain und Beruhigungsmitteln, kein ATS-Konsum an Arbeitstagen, kein ATS-Konsum zur Bewältigung psychischer Probleme. Eine Spezialanalyse einer Gruppe mit potenziell riskanter Konsumkarriere (ausschließlich langjährig frequenter Konsum) zeigte zum einen, dass lediglich knapp die Hälfte dieser Gruppe eine Abhängigkeit entwickelt hatte, zum anderen, dass die Ausprägung der Resilienz hier der zentrale Schutzfaktor war.
Eine salutogenetische Perspektive auf Substanzkonsum erkennt an, dass viele Menschen ein Bedürfnis nach dem Konsum von psychoaktiven Substanzen haben. Daraus ergibt sich, dass Präventions- und Beratungsangebote verstärkt darauf ausgerichtet sein sollten, Informationen über Schutzfaktoren bzw. deren Förderung zu vermitteln, anstatt jeglichen Konsum pauschal zu problematisieren und auf Abstinenz als grundsätzlich anzustrebendes Ziel zu beharren. Dies könnte das Anliegen von Public Health-Maßnahmen stärken, möglichst viele Menschen auf dem Weg hin zum gesunden Pol auf dem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum zu unterstützen.
Schlagwörter
Kontrollierter Substanzkonsum

; 

amphetaminartige Stimulanzien

; 

Risko- und Schutzfaktoren

; 

Salutogenese

; 

Public Health
Institution
Universität Bremen  
Fachbereich
Fachbereich 11: Human- und Gesundheitswissenschaften (FB 11)  
Dokumenttyp
Dissertation
Lizenz
Alle Rechte vorbehalten
Sprache
Deutsch
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Name

Kontrollierter_ATS_Konsum_pdfa1b.pdf

Size

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Format

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Checksum

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