Einfluss der Geschlechtsidentität und sexuellen Orientierung von Patient:innen auf ihr Wohlbefinden in einer physiotherapeutischen Behandlung
Veröffentlichungsdatum
2022-10
Autoren
Zusammenfassung
Kurzfassung Hintergrund und Fragestellung: Bei der Inanspruchnahme von Gesundheitsbehandlungen fühlen sich Personen, die sich als nicht heterosexuell oder auch als nicht cisgeschlechtlich (LGBTIQ*) identifizieren, oft mit Vorurteilen und Diskriminierung konfrontiert. Das Ziel dieser Querschnittsbefragung war es herauszufinden, ob die Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung von Patient:innen einen Einfluss auf ihr Wohlbefinden in einer physiotherapeutischen Behandlung haben. Methoden: Von Februar - März 2022 wurde online eine anonyme Querschnittsbefragung durchgeführt. Angelehnt wurde diese Befragung an die Untersuchung von Ross und Setchell aus dem Jahr 2019. Geschlossene Fragen wurden auf einer fünfstufigen Likertskala beantwortet. Zur deskriptiven Auswertung der einzelnen Likert-Items wurden die Häufigkeiten und Verteilungen ermittelt. Offene Fragen wurden nach den Kriterien der inhaltlich strukturierenden Inhaltsanalyse nach Kukartz ausgewertet. Zunächst wurden erste Hauptkategorien induktiv gebildet. Im zweiten Schritt wurden die Daten codiert und den Hauptkategorien zugeordnet. Ergebnisse: Die Online-Umfrage wurde von 76 Personen begonnen, 21 Personen beendeten die Umfrage frühzeitig. Es wurden 55 Teilnehmende in die Auswertung eingeschlossen. Von den Teilnehmenden wurden elf Geschlechtsidentitäten und 15 sexuelle Orientierungen angegeben. Das allgemeine Gefühl der Teilnehmenden während der physiotherapeutischen Behandlungen wurde als überwiegend gut (43,64%) bzw. sehr gut (32,73%) angegeben. Das Wohlbefinden, die Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung mit dem bzw. der Physiotherapeut:in zu teilen wird mit unentschlossen (27,28%) bzw. unwohl (27,2%) angegeben. Wenn die physiotherapeutische Behandlung „stets professionell“ und „zielorientiert“ durchgeführt wurde oder die Therapeut:innen „auch darauf spezialisiert“ sind z.B. Trans*-Personen zu behandeln, gaben die Teilnehmenden an sich „wohl gefühlt“ zu haben. Eine Ansprache von Geschlechtsidentität und/oder sexueller Orientierung ist nicht immer notwendig. Schlussfolgerung: Die Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung von Patient:innen scheinen einen Einfluss auf ihr Wohlbefinden in einer physiotherapeutischen Behandlung zu haben. Demzufolge sollten Physiotherapeut:innen bereits in der Ausbildung ein Training für die Anwendung einer geschlechtergerechten Interaktion mit ihren Patient:innen erhalten.
Schlagwörter
Geschlechtsidentität
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LGBTIQ*
;
Querschnittsbefragung
;
Physiotherapie
;
Wohlbefinden
Verlag
Hochschule Bremen
Institution
Dokumenttyp
Wissenschaftlicher Artikel
Sprache
Deutsch
