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    Item type:Publication,
    Individuelle Unterschiede in der Inanspruchnahme von Selbsthilfegruppen für Glücksspielsüchtige : eine empirische Studie
    Gegenstand und Fragestellung: Die Beteiligung am Glücksspiel geht für einen Teil der Spieler*innen mit einem problematischem Spielverhalten bis hin zur Glücksspielsucht einher. Glücksspielsucht hat für die Betroffenen selbst, ihr nahes Umfeld und die Gesellschaft enorme Auswirkungen. Ein differenziertes Hilfesystem, in dem sich professionelle Hilfeangebote und Selbsthilfegruppen ergänzen, dient dazu, das Suchtverhalten und seine Folgen effektiv einzudämmen. Die vorliegende Forschungsarbeit zielt darauf ab, Erkenntnisse zu individuellen Unterschieden in der Inanspruchnahme von Selbsthilfegruppen für Glücksspielsüchtige zu gewinnen. Der Schwerpunkt liegt auf der Analyse des Zusammenhangs zwischen soziodemographischen Merkmalen, Einstellungsaspekten und ausgewählten Persönlichkeitsfacetten mit der Inanspruchnahme von gemeinschaftlicher Selbsthilfe versus professioneller Hilfe. Hinsichtlich soziodemographischer Merkmale interessiert, inwieweit das Alter, das Geschlecht und das Vorhandensein eines Migrationshintergrundes mit der Wahl der Hilfeform zusammenhängen. Weiterhin wird gefragt, wie Einstellungen zur Nutzung professioneller psychologischer Hilfe die Präferenz für eine Hilfeform beeinflussen. Aus dem Spektrum der Persönlichkeitsmerkmale schließlich werden Extraversion und Gewissenhaftigkeit bezüglich ihres Zusammenhangs mit der Inanspruchnahme von Selbsthilfegruppen und professioneller Hilfe untersucht. Untersuchungsdesign und Stichprobe: Die Angaben von 355 Personen im Alter von 19 bis 80 Jahren (M = 43.1 J., SD = 13.8 J.), die zum Zeitpunkt der Befragung aufgrund einer Glücksspielproblematik professionelle Hilfe (PH), eine Selbsthilfegruppe für Glücksspielsüchtige (SH) oder beides (SHPH) nutzten, dienten als Basis der Analysen. Der selbst erstellte Erhebungsbogen umfasste soziodemographische Fragen, Items zum Glücksspielverhalten sowie zur Operationalisierung des Problemstatus in den letzten 12 Monaten vor Inanspruchnahme der aktuellen Hilfeform die neun Kriterien des „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ (DSM-5). Die Abfrage der Einstellung zur Inanspruchnahme professioneller psychologischer Hilfe erfolgte anhand des „Attitudes Towards Seeking Professional Psychological Help – Short Form“ (ATSPPH-SF) mit den Subskalen Offenheit für die Inanspruchnahme professioneller Hilfe, Nutzen der Inanspruchnahme professioneller Hilfe und Geringer Wunsch nach eigenständiger Problembewältigung. Ein Ausschnitt des „Big Five Inventory“ (BFI-2) schließlich diente zur Erfassung der Persönlichkeitsmerkmale Extraversion und Gewissenhaftigkeit mit ihren jeweiligen Facetten. Ergebnisse: In den Analysen erweisen sich ein höheres Alter sowie stärker ausgeprägte Extraversion als relevante Prädiktoren für die ausschließliche oder zusätzliche Inanspruchnahme einer Selbsthilfegruppe für Glücksspielsüchtige gegenüber der ausschließlichen Nutzung professioneller Hilfe. Dagegen ist kein Zusammenhang der Merkmale Geschlecht und Migrationshintergrund mit der Gruppenzugehörigkeit erkennbar. Betroffene mit einem starken Wunsch nach eigenständiger Problembewältigung verzichten eher auf professionelle Hilfe und besuchen ausschließlich die Selbsthilfegruppe. Auf bivariater Ebene gilt das auch bei einer geringeren Offenheit für die Inanspruchnahme professioneller Hilfe und geringerem wahrgenommenem Nutzen professioneller Hilfe. Darüber hinaus weisen einzelne Persönlichkeitsaspekte einen Zusammenhang mit dem Verhalten innerhalb der Selbsthilfegruppe auf. Während eine höhere Geselligkeit mit der Häufigkeit eigener Beiträge assoziiert ist, sind es die Gewissenhaftigkeit und ihre Facette Verlässlichkeit mit der Regelmäßigkeit der Teilnahme. Die Ausprägungen von Extraversion und ihren Facetten Aktivität sowie Geselligkeit sagen jedoch nicht den Wunsch nach gemeinsamen Unternehmungen mit der Selbsthilfegruppe voraus. Fazit: Klassische Selbsthilfegruppen sind ein wichtiger Baustein eines vielfältigen Hilfesystems, das unterschiedliche problembezogene, soziodemographische und persönlichkeitsbezogene Bedarfe berücksichtigt. Sie bieten über die Rückfallprophylaxe hinaus für schwer belastete Glücksspielsüchtige, denen eine eigenständige Problembewältigung sehr wichtig ist, eine Möglichkeit der autonomiebetonten Hilfenutzung. Weiterhin sind Wege zu suchen, jüngeren sowie sehr introvertierten Betroffenen einerseits die Scheu vor einer Teilnahme zu nehmen und ihnen andererseits Online-Hilfeformen als Alternative oder Brücke zur klassischen Selbsthilfe anzubieten.
    doctoral thesis
      1791  855
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    Item type:Publication,
    Die Bedeutung der Selbsthilfe in der Versorgung pathologischer Glücksspieler*innen: Nutzen, Grenzen und Optimierungspotenziale
    In Deutschland zeigen ca. 429.000 Personen ein mindestens problematisches Glücksspielverhalten mit teilweise schwerwiegenden Folgen für sich selbst und ihr soziales Nahumfeld. Zur Unterstützung einer Verhaltensänderung und Reduzierung der negativen Konsequenzen haben sich differenzierte Beratungs- und Behandlungsstrukturen herausgebildet, in denen klassische Selbsthilfegruppen (SHG) mit der Erfahrungskompetenz Betroffener eine anerkannte Säule bilden. Die Nutzung der SHG für Glücksspieler*innen, die mit der Inanspruchnahme verbundenen Erwartungen und Erfahrungen sowie die mit dem Besuch von SHG einhergehenden Effekte sind jedoch wenig erforscht. An diesem Wissensdefizit setzt die vorliegende, quantitativ ausgerichtete Forschungsstudie an. Die Gesamtstichprobe umfasste 355 Personen im Alter von 19 bis 80 Jahren (M = 43,14; SD = 13,83), die professionelle Hilfe nutzen, eine spezifische SHG für Glücksspielsüchtige besuchen oder beide Hilfeformen parallel in Anspruch nehmen. Je nach Fragestellung wurden unterschiedliche Subgrup-pen untersucht und miteinander verglichen. Die erste Gruppe (Nur_SHG) besuchte zum Zeitpunkt der Befragung ausschließlich eine SHG und hatte nie professionelle Hilfe genutzt (n = 40), die zweite Gruppe (SHG+) nahm ebenfalls eine SHG und parallel oder jemals zuvor professionelle Hilfe in Anspruch (n = 200), die dritte (Nie_SHG) nutzte ausschließlich professionelle Hilfe und hatte nie eine SHG besucht (n = 79) und die vierte Gruppe (Früher_SHG) bestand aus Personen, die aktuell nur professionelle Hilfe nutzten, jedoch auch schon einmal eine SHG besucht hatten (n = 36). Die Ergebnisse zeigen, dass Mitglieder einer SHG (Nur_SHG und SHG+ n = 240) im Mittel sowohl älter waren als Klient*innen der bundesweiten ambulanten Suchthilfe als auch Problemspieler*innen der Allgemeinbevölkerung. Betroffene mit Migrationshintergrund waren in der untersuchten Gesamtstichprobe und unter den Mitgliedern einer SHG unterrepräsentiert. Erwerbslose besuchten deutlich seltener aktuell eine SHG. Weiterhin erreichten sowohl die SHG als auch die professionelle Hilfe kaum Betroffene mit subklinischer Problematik. Betroffene mit ausschließlichem Besuch einer SHG zeigten tendenziell seltener eine schwere Störung durch Glücksspielen, jedoch erwies sich der Unterschied nicht als statistisch bedeutsam. Von darüber hinausgehenden substanzbezogenen und psychischen Problemen berichteten frühere Mitglieder einer SHG deutlich häufiger als aktuelle. Als einzige im Durchschnitt als eher zutreffend bewertete Begründung, aktuell keine SHG zu besuchen, erwies sich die Aussage, bereits genug Hilfe zu erhalten. In den SHG trafen sich überwiegend einmal wöchentlich für eineinhalb bis zwei Stunden im Mittel neun Personen. Sie nahmen weit überwiegend möglichst regelmäßig an den Treffen teil und berichteten dabei oft oder immer von eigenen Erfahrungen. Nahezu alle strebten ein glücksspielfreies Leben an. Von der Gruppe erwarteten sie am stärksten aus der Erfahrung anderer zu lernen, Unterstützung zu bekommen, eigene Erfahrungen zu berichten und andere zu ermutigen. Die häufigsten Gruppeninhalte waren aktuelle Erfahrungen und Probleme der Teilnehmenden, allgemeiner Austausch sowie Gespräche über Gefühle. Häufige Inhalte und die Bedeutung der einzelnen Inhalte deckten sich weitgehend. Als positive Effekte der Gruppenbesuche nannten die Befragten besonders häufig den klareren Blick auf die eigene Situation sowie Unterstützung bei der Beendigung des Glücksspielens und bei der Vermeidung von Rückfällen sowie zahlreichen weiteren Schwierigkeiten. Am wenigsten stimmten sie der Aussage zu, durch die Gruppe auf professionelle Hilfe verzichten zu können. Negative Aspekte wurden kaum bestätigt. Nur vereinzelt wurden Misstrauen aufgrund von Lügen, häufiger Mitgliederwechsel und mangelnde Motivation anderer genannt. Nahezu alle befragten aktuellen Mitglieder waren mit ihrer Gruppe mindestens zufrieden. Geringer als bei den übrigen Befragten fiel die Zufriedenheit bei Personen mit psychischen Problemen im Lebensverlauf sowie in der Tendenz auch bei Erwerbslosen, Älteren, Personen mit Migrationshintergrund und Personen, die nur unregelmäßig von eigenen Erfahrungen berichteten, aus. Die vorliegende Untersuchung bestätigt damit die hohe Bedeutung klassischer SHG für die langfristige Unterstützung und Rückfallprophylaxe auch für Betroffene mit einer Störung durch Glücksspielen. Für aktuelle Mitglieder einer SHG gibt es hinsichtlich der Inhalte und Gestaltung kaum Optimierungsbedarf. Potenzial liegt dagegen in der Ansprache jüngerer Betroffener und in einer guten Vernetzung mit der professionellen Hilfe für Personen mit zusätzlichen Belastungen und schweren Störungen. Darüber hinaus fehlen Selbsthilfegruppenoptionen für Personen, die nicht oder noch nicht bereit sind, komplett auf Glücksspiele zu verzichten. Für Betroffene mit Migrationshintergrund sind in der professionellen Hilfe und der Selbsthilfe ergänzende muttersprachliche oder kultursensible Angebote nötig. Ebenso ist Kreativität für die Unterstützung von Personen mit subklinischer Problematik gefragt, die durch die professionelle Hilfe und klassische gemeinschaftliche Selbsthilfe kaum erreicht werden.
    Report
      2015  1439